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Sport im Alter
Sportverletzungen
im Alter
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Sportverletzungen im Alter
Eine Zusammenfassung eines Vortrages von
Prof. Dr. med. Leo Gotzen, Chefarzt der
Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs-
und Handchirurgie am Klinikum der Philips-Universität
in Marburg, gehalten auf der Jahrestagung
der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
2002 in Berlin.
Wie sind Sportverletzungen definiert?
In Abgrenzung zum Sportschaden wird eine
Sportverletzung als Ereignis definiert,
bei dem es durch eine äußere
oder eine innere Krafteinwirkung zu einer
im zeitlichen Zusammenhang stehenden Verletzung
kommt. Sportschäden entwickeln sich
dagegen aus einer chronischen Überlastung
oder resultieren als bleibender Schaden
aus einer nicht ausgeheilten Verletzung.
Wie
häufig sind Sportverletzungen?
Der Anteil der Sportverletzungen am Gesamtunfallaufkommen
liegt heutzutage bei etwa 25 bis 30 Prozent.
Im historischen Vergleich ist dies ein sehr
hoher Anteil. So werden beispielsweise in
einer Statistik aus dem Jahre 1914 unter
21 000 Unfällen lediglich 220 Sportunfälle,
also etwa ein Prozent, angegeben. Den statistischen
Angaben zur Folge kann in Deutschland pro
Jahr mit 1,5 Millionen Sportunfallverletzten
im Vereins- und Breitensport gerechnet werden,
die einer ärztlichen Behandlung bedürfen.
Zu schweren Behinderungen am Bewegungsapparat
tragen Sportverletzungen zu weniger als
einem Prozent bei.
In
welchen Altersgruppen sind Sportverletzungen
am häufigsten?
Nach einer Untersuchung von Steinbrück
aus dem Jahre 1987, in der über die
15-Jahres-Analyse einer Sportambulanz berichtet
wird, zeigt sich bezüglich der Altersverteilung
der Sportverletzten mit 41,2 Prozent eine
deutliche Dominanz der Gruppe der 20- bis
30-Jährigen, während der Anteil
der über 50-Jährigen nur zwei
Prozent betrug. Nach einer aktuelleren,
von Allenbach et al. 1997 publizierten Statistik
aus der Schweiz liegt dort der Anteil der
über 50-Jährigen mit einer Sportverletzung
bei neun Prozent. Aus den Zahlen beider
Autoren ist abzulesen, dass bereits ab dem
30. Lebensjahr ein Rückgang der Sportverletzungen
zu beobachten ist, der nach dem 50. Lebensjahr
noch einmal besonders ausgeprägt ist.
Hat
sich die Häufigkeit der Sportverletzungen
im Alter in den letzten Jahren verändert?
In den aktuellen Statistiken liegt der Anteil
der älteren Menschen mit einer Sportverletzung
höher als noch vor 15 bis 20 Jahren,
was einerseits durch die demographische
Entwicklung, andererseits durch die vermehrte
sportliche Aktivität der älteren
Menschen bedingt sein dürfte. Diese
Entwicklung beobachten wir auch in unserer
Klinik. 1987 lag der Anteil der über
50-Jährigen mit einer Sportverletzung
gemessen an der Gesamtzahl der Behandelten
über 50 Jahren bei 1,9 Prozent. Im
Zeitraum Juli bis August 2002 wurden in
unserer Klinik insgesamt 4158 Patienten
über 50 Jahre behandelt, von denen
142 eine Sportverletzung aufwiesen
das entspricht 3,4 Prozent. Das Durchschnittsalter
lag bei 59,8 Jahren. Stationär behandelt
wurden von den 4158 Patienten 1018, davon
44 wegen einer Sportverletzung also
4,3 Prozent.
Was
sind die Ursachen von Sportverletzungen
im Alter?
Die Entstehung von Sportverletzungen wird
durch zahlreiche exogene und endogene Faktoren
begünstigt. Bei all diesen Faktoren
spielt das Alter im positiven und negativen
Sinne eine Rolle, sowohl was die Anzahl
als auch was die Schwere der Verletzungen
betrifft.
Was
gehört zu den exogenen Verletzungsrisiken
im Alter?
Zu den exogenen Verletzungsrisiken zählen
in erster Linie die Sportart und das Leistungsniveau.
Nach Untersuchungen, die sich auf Erhebungen
im Vereinssport beziehen, entfallen 70 Prozent
aller Unfälle auf die Ballsportarten
Fußball, Handball, Volleyball und
Basketball. Beim Freizeitsport steht der
Fußball an der Spitze mit etwa 20
Prozent, gefolgt vom Skisport, sowie den
Sportarten Radfahren, Jogging, Tennis, Squash,
Volleyball, Skaten, Reiten und andere.
Inwiefern
wirkt sich das Alter positiv auf die Häufigkeit
von Sportverletzungen aus?
Das Alter wirkt sich insofern positiv aus,
als viele Sportarten mit zunehmendem Alter
überhaupt nicht mehr oder in wesentlich
geringerer Intensität praktiziert werden
und dadurch die Sportverletzungen deutlich
abnehmen. Außerdem kommt es zu einer
Verlagerung der Aktivitäten auf sanftere
Sportarten, die ein wesentlich geringeres
Verletzungsrisiko beinhalten. Dies zeigen
auch deutlich die bereits erwähnten
Untersuchungen von Steinbrück. Bei
sechs ausgewählten Sportarten konnte
er feststellen, dass die über 50-Jährigen
sich ihre Sportverletzungen vorwiegend beim
Tennisspielen, Trimm-Dich-Sport, Reiten
und Skilanglauf zuzogen. Dies besagt aber
nicht, dass im Alter über 50 Jahre
keinerlei Risikosportarten betrieben werden.
Vereinzelt haben wir ältere Sporttreibende
behandelt, die beim Drachenfliegen oder
beim Klettern abgestürzt waren.
Welche
endogenen Verletzungsrisiken gibt es im
Alter?
Endogene Einflussfaktoren die Sportverletzungen
begünstigen sind vor allem altersphysiologische
Abbau- und Degenerationsprozesse, insbesondere
des Haltungs- und Bewegungsapparates. Mit
zunehmendem Alter kommt es zu einer Abnahme
der Muskelmasse, verbunden mit einem Verlust
an koordinativen und propriozeptiven Fähigkeiten.
Begünstigen
solche Degenerationsprozesse die Häufigkeit
bestimmter Verletzungsarten?
Die Unterschiede in der Häufigkeitsverteilung
typischer Sportverletzungen in verschiedenen
Altersgruppen hängen nicht nur mit
der Vorliebe für bestimmte Sportarten
zusammen, sondern auch mit spezifischen
altersbedingten Gewebsdegenerationen. Nach
den Untersuchungen von Steinbrück treten
Verletzungen an Muskeln, Sehnen und Bändern
bereits nach dem 30. Lebensjahr vermehrt
auf. Die Frakturhäufigkeit ist im Kindes-
und Jugendalter am größten, bedingt
durch großen Bewegungsdrang, unvorsichtiges
Verhalten und mangelndes Gefühl für
Gefahr und Geschwindigkeit einerseits, sowie
verminderte Knochenfestigkeit und geringerer
Muskelmantel andererseits. Im mittleren
Alter nimmt die Frakturhäufigkeit deutlich
ab, um im höheren Alter mit abnehmender
Knochenfestigkeit dann deutlich wieder anzusteigen.
Welche
Verletzungen sind am häufigsten?
In der Einjahres-Analyse in unserer Klinik
überwogen bei den älteren Sportverletzten
deutlich die Frakturen, gefolgt von den
Kapselbandrupturen und Muskel-Sehnenverletzungen
als schwerwiegende Läsionen.
Wo
treten die Verletzungen am häufigsten
auf?
Die Beziehung zwischen Alter und Lokalisation
der Sportverletzungen zeigt, wie aus Analysen
von Steinbrück hervorgeht, dass bei
den über 50-Jährigen, wie in den
anderen Erwachsenengruppen, die Verletzungen
vorwiegend an den unteren Extremitäten
lokalisiert sind; in einem Verhältnis
von 3:1 bis 4:1 zur oberen Extremität.
Dabei stellt das Kniegelenk einen deutlichen
Verletzungsschwerpunkt dar.
Welche
Rolle spielen Sehnenverletzungen?
Insgesamt erlangen sie mit zunehmendem Alter
eine größere Rolle, wobei die
Achillessehnenrupturen im dritten und vierten
Lebensjahrzehnt häufiger auftreten
als nach dem 50. Lebensjahr. Bei 27 sportbedingten
Achillessehnenrupturen, die vom Juli 2001
bis August 2001 von uns behandelt wurden,
waren nur sieben Patienten über 50
Jahre alt.
Was ist bei der Therapie von Sportverletzungen
älterer Patienten besonders zu beachten?
Bezüglich der Therapie von Sportverletzungen
bei älteren Patienten sind die gleichen
Maßstäbe anzulegen, wie in anderen
Altersgruppen. Ziel muss sein, die Sportfähigkeit
wiederherzustellen. Insofern gibt es keine
prinzipiellen Behandlungsunterschiede zwischen
dem jüngeren und älteren Sportverletzten.
Dabei sind aber im Einzelnen bei der operativen
Versorgung, in der Nachbehandlung und Rehabilitation,
die altersspezifischen Gewebsveränderungen
und das körperliche Leistungsvermögen
zu berücksichtigen.
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