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Sportmedizin - Asthma und Sport

   
 


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Sportmedizin - Asthma und Sport

Sport als Therapie
 

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Sport als Therapie



Regelmäßiges Training verbessert bei jedem Menschen die Lungenfunktion. Und so steigt auch bei Asthmatikern die Reizschwelle für die Auslösung eines Asthmaanfalls. Ein guter Trainingszustand wirkt sich günstig auf das Anstrengungsasthma aus. Da Trainierte bei gleicher Leistung deutlich weniger rasch atmen als Untrainierte und weit besser die Nasenatmung beherrschen, sind Sportler weniger gefährdet, von plötzlichen Reizattacken (Kältereiz, osmotische Reize) überrascht zu werden. Sportliche Asthmatiker haben weniger Anfälle, seltener Atemwegsinfekte und benötigen weniger Medikamente. Der Patient gewinnt wieder Vertrauen zu sich und seiner Leistungsfähigkeit. Diese positive Grundhaltung ist ein wichtiger Ansatzpunkt für die Krankheitsbewältigung. Im Rahmen eines angepassten Programms kann jeder Asthmatiker an Freizeitsportarten teilnehmen.

Die sportliche Aktivität kann dabei nicht die medikamentöse Therapie ersetzen. Eine gute medikamentöse Einstellung ist für den Asthmatiker Grundlage für Sicherheit, Spaß und Erfolg beim Training.

Welche Sportarten sind geeignet?
Da schnelle Spurts im freien Gelände den stärksten Reiz für die Atemwege bedeuten, sind Ausdauersportarten mit mäßiger aber kontinuierlicher Belastung noch immer am besten geeignet. Dazu zählen etwa Schwimmen, Joggen, Walken, Skilanglauf oder Radfahren. Sie trainieren das kardiovaskuläre System und damit die sportliche Ausdauer und auch die Atmung. Und auch das Immunsystem reagiert bei körperlicher Fitness nachweislich besser gegen Infekte.

Bei all dem spielen die Umgebungsfaktoren ein große Rolle, vor allem die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit, aber auch mögliche Allergenexpositionen. Schwimmen ist noch immer eine besonders günstige Sportart für Asthmatiker. Das zeigen auch die Erfolge von Weltklasseschwimmern wie Sandra Völker, Christian Keller oder Nancy Hogshead.

Die Rahmenbedingungen
a) Sich selbst und die Umgebung beurteilen
Ein Laufbandtest vorab ist nicht nur für den Arzt aussagekräftig, sondern auch für den Trainer oder Sportlehrer und für den Patienten selbst. Der Test gibt Anhaltspunkte über die Schwere des zu erwartenden Anstrengungsasthmas, zu welchem Zeitpunkt nach Belastungsbeginn es zu erwarten ist, wie die körperliche Belastbarkeit überhaupt ist und welche Medikamente in welcher Dosis vorbeugend und im Notfall helfen.
Der Ort, an dem der Sport ausgeübt wird, sollte ebenso mit Bedacht gewählt werden. Zur Zeit der Gräserblüte ist ein Asthmaanfall im Freien wahrscheinlicher als in der Halle. Im Herbst können Schimmelpilzallergien Probleme bereiten, im Winter sehr kalte, trockene Luft (unter -5 °C besser kein Ausdauersport im Freien), in ungepflegten Sporthallen der Staub. Unspezifische Reize wie Kälte oder Staub sind dabei dosisabhängig und so besser einzuschätzen als Allergene. Eine klare Allergiediagnostik hilft.

b) medikamentöse Dauertherapie
Die ärztlich verordnete Dauertherapie sollte grundsätzlich darauf ausgerichtet sein, die Belastungen des Alltags zu ermöglichen. Bei Kindern und Jugendlichen schließt das sportliche Betätigungen unweigerlich mit ein. Besteht der Behandlungsplan zum Beispiel in einer mehrfach täglichen Inhalation eines vorbeugenden Medikamentes wie DNCG oder eines bronchialerweiternden Medikamentes wie einem Beta-2-Sympathomimetikum oder deren Kombination, muss darauf geachtet werden, dass die letzte Inhalation nicht länger als vier Stunden zurückliegt, wenn die Sportstunde oder die Belastung beginnt.

c) Prämedikation
Ist für den Patienten keine Dauertherapie nötig oder reicht diese nicht aus, um ein Anstrengungsasthma zu verhindern, muss der Arzt eine Prämedikation verordnen. Gut geeignet sind dafür - je nach Asthma-Schweregrad - wiederum DNCG und ein Beta-2-Sympathikomimetikum. Am besten bewährt hat sich eine Kombination aus beiden ( Aarane®), etwa zwei Hub aus einem Dosieraerosol 10 Minuten vor dem Sport.

d) Peak-Flow-Messung und Intensitätssteuerung
Mit dem Peak-Flow-Meter ist für Asthmatiker eine einfache und beliebig oft wiederholbare Lungenfunktionsmessung möglich. Dazu muss der Patient - am besten im Stehen - zunächst so tief wie möglich einatmen und dann so schnell und kräftig wie möglich in das Gerät ausatmen. Der maximale Atemfluss in Litern pro Minute ist direkt ablesbar. So lassen sich Tages-, Wochen- und Monatsprofile erstellen, was die relative Ungenauigkeit des handlichen Gerätes wett macht. Durch den Vergleich mit seinem Bestwert, kann jeder Patient so schnell die aktuelle Weite seiner Bronchien abschätzen. Das Protokoll über mehrere Wochen gibt Auskunft über die individuellen Normwerte während der verschiedenen Belastungsintensitäten und zu den unterschiedlichen Tageszeiten. Belastbarkeit, optimale Trainingszeit und
-intensität, der Einfluss von Umgebungsfaktoren wie Allergene, Staub oder Temperatur und vieles mehr lassen sich so evaluieren.

Nur durch eine individuell abgestimmte Belastungsintensität ist ein Anstrengungsasthma während oder nach dem Sport zu vermeiden. Diese lässt sich mit dem Peak-Flow-Meter einfach ermitteln. Dazu ist zunächst ein Wert vor der Belastung nötig, um sicher zu gehen, dass nicht bereits eine Bronchokonstriktion vorliegt. Des Weiteren sollte der Asthmatiker gegebenenfalls 10 Minuten nach Einnahme des vorbeugenden Medikaments messen, um die Wirkung zu bestätigen. Zusätzliche Messungen sind nach der Aufwärmphase, nach der Belastungsphase und nach der Abklingphase sinnvoll sowie bei Anzeichen einer Obstruktion. Sinkt der Peak-Flow um 20 Prozent oder mehr, muss ein bronchialerweiterndes Medikament, ein kurzwirksames Beta-2-Sympathikomimetikum inhaliert werden und die Belastung ist zu unterbrechen bis die Peak-Flow-Werte wieder den Ausgangswerten entsprechen. Atemerleichternde Körperhaltung und die "Lippenbremse" helfen den Anfall zu überwinden. Mit Hilfe des Peak-Flow-Meters lassen sich Trainingsprogramme optimieren, aber auch Einbrüche bei der stark schwankenden Symptomatik des Asthmasyndroms frühzeitig erfassen, etwa bei Infekten.

e) Trainingsaufbau
Wer kalt in die Sportstunde startet, hyperventiliert unter der plötzlichen Belastung besonders stark und riskiert damit, schnell ein Anstrengungsasthma auszulösen. Eine Aufwärmphase ist für Asthmatiker extrem wichtig. Kindern fällt das mit ihrem ungezügelten Bewegungsdrang oft schwer. Hier helfen oft Entspannungsübungen gleich zu Anfang. Das optimale Aufwärmtraining für Asthmatiker ist das Intervalltraining: 100 Sekunden zügig gehen - 20 Sekunden schnelles Laufen. Diese Methode birgt das geringste Risiko einer Bronchialobstruktion bei guter Steigerung des Herz- und Atemzeitvolumens. Gleichmäßiges, mittelschnelles Laufen, wie es an Schulen praktiziert wird, ist dagegen denkbar ungeeignet. In Studien waren danach 60 Prozent der Probanden obstruktiv.

Auch in der Belastungsphase, also beim eigentlichen Sport, ist eine Intervallbelastung sinnvoll. Allerdings lässt sich das nicht bei jedem Sport umsetzen. Die Belastung sollte zumindest im submaximalen Bereich liegen, niemals am Limit. Laufintensive Spiele wie etwa Fußball oder Brennball müssen mit Pausen gestaltet werden.

Schließlich hat das bewusste "Abklingen" der Belastung, der "cool down", für Asthmatiker, neben der langsamen Reduzierung der Herz-Kreislauf-Werte und des Stoffwechselgeschehens, noch einen weiteren Sinn: Das Belastungsasthma tritt häufig auch in den 15 Minuten nach Beendigung der Anstrengung auf. Diese Reaktion verringert sich oder bleibt völlig aus, wenn die Belastung nicht abrupt, sondern langsam beendet wird. Das Ziel wird besonders gut erreicht, wenn diese Abklingphase in atemerleichternder Körperhaltung mit Lippenbremse vollzogen wird.

f) Lungensportgruppen
Wünschenswert wäre, wenn jeder Patient mit chronischer Atemwegserkrankung selbst aktiv würde und das für sie oder ihn richtige Training in Angriff nähme. Das kann auch allein und vor der Haustür geschehen. Oft ist es aber schwierig, den Entschluss in die Tat umzusetzen. Im Weg stehen die Angst vor einem Anfall, die Angst vor der Reaktion der Mitsportler oder auch einfach die fehlende Motivation, Unsicherheit oder mangelnde Möglichkeiten. Regelmäßiger Lungensport in einer qualifiziert geleiteten Gruppe hilft all dem ab. Lungensport hat dabei nichts mit Leistungssport zu tun. In diesen Gruppen werden Atem- und Entspannungstechniken vermittelt, die Ausdauer trainiert, der Muskelaufbau gefördert und Koordination und Bewegungsabläufe verbessert. An oberster Stelle steht der Spaß ohne Überforderung.

Mitmachen können Patienten mit Asthma bronchiale, chronischer Bronchitis, Lungenemphysem, Lungenfibrose, Mukoviszidose oder solche, die eine Lungenoperation hinter sich haben. Die Trainer sind entsprechend geschult. Ärzte sind entweder dabei oder in Rufbereitschaft. Sofern der Lungensport als Rehabilitation vom Arzt verordnet und von der Kasse genehmigt wird, zahlt der Patient nur den normalen Sportvereinsbeitrag. Eine Adressbroschüre mit Lungensportgruppen erhalten Interessierte beim

Kontaktbüro Arbeitsgemeinschaft Lungensport in Deutschland c/o PCM
Wormser Straße 81
55276 Oppenheim
Telefon: (06133) 2023
Internet: www.lungensport.org
E-Mail: lungensport@pharmedico.de

Dort werden auch detailliertere Informationen vergeben, zum Beispiel über nötige ärztliche Voruntersuchungen oder über Möglichkeiten selbst eine Lungensportgruppe zu initiieren.


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