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Sportmedizin - Asthma und Sport
Interview
mit Dr. med. Josef Lecheler
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Interview
mit Dr. med. Josef Lecheler
Nicht der Sport, das Unterlassen des
Trainings ist das Risiko
Dr. med. Josef Lecheler setzt sich seit
1984 als Ärztlicher Direktor des
CJD Asthmazentrum Berchtesgaden für
die Rehabilitation von asthmakranken
Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
ein. Sport steht hier ganz oben auf
der Liste. Als Schriftleiter der Zeitschrift
Prävention und Rehabilitation
und mit über 40 wissenschaftlichen
und zahlreichen Buchpublikationen zum
Thema bringt er diese Erfahrungen an
die Öffentlichkeit. Und nebenher
engagiert er sich als Vorstandsmitglied
je in der Akademie für Umwelt und
Gesundheit in Frankfurt, in der Arbeitsgemeinschaft
Asthmaschulung im Kindesalter und in
der Bundesarbeitsgemeinschaft der medizinisch-beruflichen
Rehabilitationseinrichtungen. Asthma
und Sport sind für ihn zwei zusammengehörende
Begriffe.
Medicus:
Herr Dr. Lecheler, kann unter den richtigen
Rahmenbedingungen wirklich jeder Asthmatiker
Sport treiben, oder sind solche mit
Stufe-III- oder -IV-Asthma, mit mittelschwerem
bis schwerem Asthma, doch definitiv
körperlich nicht mehr belastbar?
Lecheler:
Mit Ausnahme von akuten Verschlechterungen,
die durch Infekte oder durch Allergenkontakte
vorübergehend eintreten können,
können nicht nur, sondern sollten
sogar Patienten mit Asthma ein geeignetes
körperliches Training durchführen.
Selbstverständlich müssen
die Belastungsintensitäten sowohl
dem Alter sowie dem Asthmaschweregrad
angepasst werden, aber ein generelles
Dauerverbot von körperlicher Belastung
ist bei keinem Asthmaschweregrad angezeigt.
Medicus:
Wann sollte ein Asthmatiker von körperlicher
Anstrengung absehen, sowohl hinsichtlich
der körperlichen Verfassung, als
auch in Bezug auf die Umweltsituation?
Lecheler:
Absehen sollte der Asthmatiker dann,
wenn das Asthma sich infektbedingt verschlechtert.
Außerhalb dieser Situationen kommt
es weniger auf das wann, sondern auf
das Wie und Was an. Selbstverständlich
sollte ein asthmakranker Jugendlicher,
der eine polyvalente Sensibilisierung
unter anderem auf Tiere hat, nicht gerade
Reitsport betreiben. Bei saisonalem
Asthma sind sportliche Betätigungen
in der freien Natur während der
Zeit des größten Pollenfluges
auch nicht gerade günstig. Umgekehrt
wird manches übertrieben: So gibt
es wenig Turnhallen, die aufgrund von
Staubbelastung unzumutbar sind. Auch
Kälte ist relativ: Wir empfehlen
z. B. Skilanglauf bis zu einer Temperatur
von 5°. Darunter allerdings
nicht mehr.
Medicus:
Gibt es Sportarten, die erfahrungsgemäß
nicht zu empfehlen sind?
Lecheler:
Körperliche Betätigungen werden
von den Sportphysiologen in Hauptbeanspruchungsformen
unterteilt, wie etwa Koordination, Ausdauer,
Kraft, Schnelligkeit und Flexibilität.
Ich will mit dem Positiven anfangen:
Bei Kindern sind koordinationsbetonte
Sportarten sehr wertvoll, bei Jugendlichen
und jungen Erwachsenen ausdauerbetonte
Sportarten. Umgekehrt sind schnelligkeitsbetonte
Sportarten nicht besonders günstig.
Kraft und Flexibilität spielen
eine untergeordnete Rolle.
Um auf Ihre Frage einzugehen: Fussball
wäre keine besonders günstige
Sportart dann, wenn ständig schnelle
Sprints zu machen sind.
Ein anderes Problem ergibt sich bei
Wettkampfsportarten, wenn die Patienten
sich selbst schlecht einschätzen
können. Das ist bei Jugendlichen
eher möglich als bei Erwachsenen.
Deshalb empfehlen wir Wettkampfsportarten
immer nur mit Beteiligung eines Trainers,
der einen überehrgeizigen Asthmatiker
dann vom Feld nimmt, wenn er seine Grenzen
überschreitet.
Medicus:
Welche Vorteile bietet das Intervalltraining?
Lecheler:
Das Intervalltraining ist eine Methode,
mit der man die so genannte Peitschenwirkung
auf das Atemwegssystem durch den
Kaltstart vermeidet. Ein intervallartiges
Aufwärmen lässt wesentlich
höhere Belastungen zu ohne dass
der Asthmatiker in Obstruktion kommt.
Der Grund liegt darin, dass eine Refraktärphase
besteht, das heißt, dass die Mechanismen,
die ein Anstrengungsasthma auslösen,
sich erschöpfen.
Medicus:
Wie oft und wie lange sollte ein Asthmatiker
Sport treiben?
Lecheler:
Es gilt die Faustregel, möglichst
regelmäßig zweimal pro Woche
eine halbe bis eine ganze Stunde Sport
zu treiben. Dieser Sport sollte allerdings
im aeoroben Bereich sein, also mit einer
relativ geringen Intensität. Hohe
Belastungen sind eher gefährlich.
Was für den Einzelnen eine aerobe,
im Gegensatz zu einer anaeroben Belastung
bedeutet, muss allerdings ausgetestet
werden.
Medicus:
Welche Rolle spielt die medikamentöse
Therapie für die Fähigkeit,
Sport zu treiben?
Lecheler:
Es gibt dazu zwei Überlegungen:
Zunächst sollte ein Asthmatiker,
abhängig von seinem Schweregrad,
eine gute Basistherapie erhalten, die
die Entzündung der Atemwege bekämpft.
Wenn das der Fall ist, ist er im Sport
auch viel leistungsfähiger.
Zum Zweiten sollte der Patient auch
ein Medikament bei sich führen,
dass ihm während der Sportausübung
hilft, eine beginnende Atemnot zu bekämpfen.
Medicus:
Die Fixkombination aus DNCG und Reproterol
wird in diesem Zusammenhang immer wieder
hervorgehoben. Können Sie das bestätigen?
Lecheler:
In der Kombination von DNCG und Reproterol
findet sich zunächst ein kurzwirksames
Beta-Mimetikum, das in der Sportstunde
hilft, einen beginnenden Atemnotzustand
abzufangen. DNCG ist ein antientzündlich
wirksames Medikament, das aber in Kombination
mit Reproterol eine günstige Wirkung
hat. In der Tat ist diese Kombination
bei vielen Patienten sehr beliebt und
sie möchten ungern darauf verzichten.
Medicus:
Gibt es ein Restrisiko, sofern der Asthmatiker
beim Sport Medikation und andere Rahmenbedingungen
verantwortungsbewusst einhält?
Lecheler:
Natürlich kann Sport immer dazu
führen, dass die Grenze zum Anstrengungsasthma
überschritten wird und tatsächlich
ein Asthmaanfall ausgelöst wird.
Das gilt auch für gut eingestellte
Asthmatiker. Die Erfahrung zeigt jedoch,
dass dies eher selten vorkommt, und
dass man Ihre Frage eigentlich umgekehrt
formulieren müsste: Es gibt ein
Restrisiko, wenn man keinen Sport betreibt.
Dann nämlich ist die Gefahr eines
Anstrengungsasthmas bereits bei unvermeidbaren
Alltagsbelastungen groß.
Medicus:
Was würden Sie Eltern raten, die
ihr asthmakrankes Kind gerne zum Schulsport
schicken würden, die Schule aber
keinerlei Rahmenbedingungen dafür
bietet?
Lecheler:
Dazu gibt es jetzt eine von der BARMER
Ersatzkasse mit dem Deutschen Allergie-
und Asthmabund herausgegebene Publikation,
die für Lehrer und Mitschüler
alle Fragen in diesem Zusammenhang beantwortet.
Demnach dürfte es kein Problem
mehr sein, eine geeignete Sportstunde
durchzuführen. Wichtig: Nicht nachlassen!
Asthmakranke Kinder gehören unbedingt
in den Sportunterricht!
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