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Sportmedizin - Asthma und Sport
Anstrengungsasthma:
Viele Faktoren spielen zusammen
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Anstrengungsasthma:
Viele Faktoren spielen zusammen
Welche pathophysiologischen Mechanismen
und Auslöser genau hinter dem Phänomen
Anstrengungsasthma stecken, wird kontrovers
diskutiert. Einzelfaktoren sind bekannt.
Das genaue Zusammenspiel liegt im Dunkeln.
Die
Basis
Das Grundproblem des Asthmakranken ist
die entzündliche veränderte
und überempfindliche Schleimhaut
in den Bronchien. Diese veränderte
Reaktionsbereitschaft, die Hyperreaktivität
des Atemwegssystem, besteht auch in
beschwerdefreien Intervallen. Kommen
Auslöser (Trigger) hinzu, kann
es daher jederzeit zu einem Anfall mit
akuter Atemnot kommen. Neben Allergien
und Infekten ist die körperliche
Anstrengung, speziell der Sport, der
häufigste Asthma-Trigger. Bei Personen
ohne Asthma dagegen führt körperliche
Aktivität durch die Adrenalinausschüttung
zu einer Erweiterung der Bronchien.
Ohne bronchiale Hyperreaktivität
kann Sport, und auch extremer Sport,
kein Anstrengungsasthma auslösen.
Anstrengungsasthma
darf nicht mit anderen dyspnoischen
Zuständen verwechselt werden, wie
sie unter Belastung bei gesunden aber
untrainierten Menschen oder bei zur
Hyperventilation neigenden Jugendlichen
vorkommen können.
Auf
der Basis der hyperreagiblen Bronchien
führt Sport, und körperliche
Anstrengung überhaupt, durch die
besondere Situation der erhöhten
Ventilation zum Akutfall Anstrengungsasthma.
Mehrere Mechanismen werden dafür
diskutiert:
1.
Wärmeverlust
Die eingeatmete Luft wird bei jedem
auf dem Weg zu den Alveolen den Bedingungen
des Körpers angepasst. Sie wird
angefeuchtet, erwärmt und gereinigt.
Bei Ruheatmung leistet diese Arbeit
fast vollständig die Nase mit den
oberen Atemwegen. Unter körperlicher
Belastung lässt sich die Nasenatmung
nicht aufrecht erhalten. Aufwärmung
und Anfeuchtung der Luft übernehmen
die Schleimhäute der tieferen Atemwege.
Die in der Regel kühle Luft trifft
direkt auf die Bronchien. Auch wenn
die angefeuchtete und erwärmte
Luft beim Ausatmen wieder über
die Schleimhäute zurückstreicht,
bleibt per saldo hier ein Wärme-
und Flüssigkeitsverlust bestehen,
vor allem bei schneller Atemfolge. Dies
und die Beobachtung, dass asthmatische
Beschwerden von klimatischen Bedingungen
abhängen und sich bei Kälte
leichter auslösen lassen, legt
die Vermutung nahe, dass der Wärmeverlust
an den Bronchialschleimhäuten eine
Ursache für die akute Obstruktion
bei Überempfindlichkeit ist. Der
Effekt wird auch diagnostisch zum Nachweis
einer unspezifischen bronchialen Hyperreagibilität
durch Kälteprovokation angewandt.
Jedoch entsteht Anstrengungsasthma auch
bei Belastung in warmer Luft, so dass
es der Wärmeverlust nicht allein
sein kann.
2.
Osmotische Reize
Osmotische Reize gehören wohl unumstritten
zu den maßgeblichen Auslösern.
So konnte gezeigt werden, dass die Inhalation
von sowohl hyper- als auch hypoosmolarer
Kochsalzlösung Atemwegsobstruktionen
auslösen kann. Der hyperosmolare
Stimulus, der durch den respiratorischen
Flüssigkeitsverlust bei der Hyperventilation
entsteht, bewirkt die Freisetzung von
Entzündungsmediatoren (Mastzelldegranulation),
die wiederum das Anstrengungsasthma
auslösen.
Nach der Belastung besteht zudem eine
so genannte Refraktärzeit. Asthmatische
Beschwerden lassen sich in diesem Zeitfenster
durch körperliche Belastung nicht
im gleichen Umfang auslösen, vor
allem in der ersten halben Stunde nicht.
In den zwei bis vier Stunden danach
klingt der Effekt ab. Das unterstützt
die Vermutung, dass Anstrengungsasthma
durch Mediatoren vermittelt ist. Der
Pool der Mediatoren bleibt zunächst
erschöpft und wird langsam regeneriert.
3.
Gefäßreaktion
Letztlich spielt auch die Reaktion der
atemwegsumgebenden Gefäße
eine Rolle. Diese erweitern sich im
Sinne einer reaktiven Hyperämie
und gleichen somit bei Asthmatikern
eventuell überschießend
den Wärmeverlust aus. Je größer
der Temperaturabfall, desto stärker
die vaskuläre Gegenreaktion. Und
je größer die Temperaturdifferenz
zwischen Abkühlung und reaktiver
Widererwärmung, desto größer
die lungenfunktionell messbare Obstruktion.
Die Kontraktion der glatten Muskulatur
wird unterstützt.
Letztlich
ist es wahrscheinlich eine Kombination
der Effekte: Erhöhte Atemarbeit
während körperlicher Belastung
führt zu einem relativen Temperatur-
und Wasserverlust an der Bronchialschleimhaut.
Vor allem steigt unter der mukosalen
Austrocknung die Osmolarität, was
hier eine Mastzelldegranulation stimuliert.
Dieser osmotische Stimulus kann die
bronchialerweiternde Wirkung der unter
Belastung gleichzeitig freigesetzten
Katecholamine und cyclischen AMPs überspielen.
Daher treten die Attacken des Anstrengungsasthmas
besonders auf, wenn der Sportler eine
Pause einlegt und sein Adrenalinspiegel
sinkt. Die reaktive Hyperämie letztlich
führt zum Anstieg der vaskulären
Permeabilität, wodurch ein vaskuläres
Ödem entsteht, das die Atemwegsobstruktion
mit begünstigt.
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